Schulchronik


Von der "Schule zu Mockritz" bis zur 70. Grundschule "An der Südhöhe"

Nachdem 1844 in Kaitz ein neues Schulhaus gebaut wurde, gehen die Kinder aus Mockritz, Pestitz und Räcknitz dort zur Schule. Dieses Gebäude wird 1868 erweitert und 1888 durch ein neues, größeres Haus ersetzt. Die Zschertnitzer Kinder gehen während dieser Zeit nach Strehlen.

Die alte und neue Schule zu Kaitz

Bald reichen in Kaitz die Unterrichtsräume nicht mehr aus. Deshalb wird im Mai 1892 auf Veranlassung des Räcknitzer Gemeindevorstehers Franz ein Ausschuß (=Schulvorstand) gebildet, der die Aufgabe hatte, für die Gemeinden Mockritz, Pestitz, Räcknitz und Zschertnitz einen Schulneubau zu betreiben.

VorsitzenderFranzGemeindevorstand Räcknitz
StellvertreterBormannGemeindevorstand Mockritz
ProtokollführerHolsteinEisenbahnsekretär Räcknitz
WinklerGemeindevorstand Zschertnitz
HerrnsdorfGemeindevorstand Pestitz
WinklerGutsbesitzer Räcknitz
SchäferGutsbesitzer Mockritz
DammüllerZiegeleibesitzer Zschertnitz

Die Standortfrage

Drei Standorte für den Schulneubau kommen in Frage:

  • in Räcknitz (am heutigen Wasserbehälter);
  • in Mockritz (Feldparzelle 137 des Wilhelm Damm, wo der Quadratmeter -,90 M kosten soll)
  • in Pestitz (Feldparzelle 26 des Oswald Harz mit einem Preis von 1,20 M pro Quadratmeter)

Man entscheidet sich für die Parzelle 26. Sie ist 3.876 qm groß und kostet 4.651,20 M. Als Grund für diese Wahl werden die schöne Aussicht und der Umstand genannt, dass die Kinder der vier Gemeinden dann einen ungefähr gleichlangen Schulweg haben werden.

Der Bau

Das Schulhaus wird von Baumeister Sommerschuh, Räcknitz, projektiert. Für die Zeichnungen bekommt er 400,- M. Auf die öffentliche Ausschreibung hin bieten sich 13 Baufirmen an. Ihre Kostenanschläge bewegten sich zwischen 4.451,- und 51.720,25 M. Im Budget der Gemeinden war für den Neubau 38.000,- bis 40.000,- M eingeplant.

Die Ausschreibung

Den Auftrag erhält schließlich die Firma Stelzer und Reif aus Niederhäslich, die den Bau im August 1892 beginnt. Bereits im September kann der Hebeschmaus (Richtfest) gefeiert werden.

Um die Kosten zu decken, wurde schon am 12. Juli 1892 bei der „Landständischen Bank des Königlich Sächsischen Markgrafenthums Oberlausitz zu Bautzen“ ein Darlehen von 60.000,- M aufgenommen, das im Laufe von 46 Jahren zu tilgen ist.

Die Einweihung

Festordnung zur „Weihe der neuen Schule zu Mockritz“ am Donnerstag, den 6. April 1893, Vormittags 11 Uhr

Im Frühjahr 1893 wird der Bau fertig gestellt, so dass am 6. April 1893, in der Woche nach Ostern, die Einweihung erfolgen kann. Die Schule besitzt drei Klassenzimmer, eine Lehrer-, eine Hilfslehrer- und eine Hausmeisterwohnung.

Schulweihe 6. April 1893

Am Donnerstag, dem 6. April 1893, eröffnet der Bezirksschulinspektor Grüllich unsere Schule. Seine Rede steht unter dem Thema „Was predigt uns das Schulhaus auf der Höhe an seinem Weihetage?“ Als Geschenke überbringen der Räcknitzer Gemeindevorstand, Herr Franz, ein Harmonium (auf den Tisch zu stellen), Bauer Damm einen Dürrschmidt´schen Lehrapparat, Bauer Schäfer die Schulglocke. Außerdem gehen namhafte Geldspenden ein.

Streit um die Schulweihe

Kaitz scheint von dem Ausscheiden der Mockritzer, Klein-Pestitzer und Räcknitzer Kinder aus der Kaitzer Schule nicht sehr erbaut gewesen zu sein. Das geht aus einem beiliegenden Brief hervor, in der sich der Leubnitzer Pfarrer Dr. Apfelstedt als Ortsschulinspektor über die Kaitzer Lehrer beschwert. Z. T. ist deren Haltung zu verstehen. Gehen doch in Zukunft beträchtliche Einnahmen an Schulgeld durch die Trennung verloren. Dem ehrwürdigen Pfarrer erscheint die Kaitzer Handlungsweise jedoch verwerflich, dass sich seine Feder sträubt, das gefürchtete Wort „Rebellion“ (oder Revolution?) zu schreiben.

Da für die Kinder Schulgeld gezahlt werden musste, erleiden ab 1893 die Gemeinden Kaitz und Strehlen Einbußen. Deshalb werden an Kaitz eine Abfindungssumme von 2.500,- M (für Mockritz, Pestitz und Räcknitz) und an Strehlen eine Höhe von 500,- M (für Zschertnitz) gezahlt.

Beschwerde des Ortsschulinspektors Dr. Apfelstedt über das Verhalten der Kaitzer Schule

Die Beschwerde über die Kaitzer Schule – Übersetzung:

Sehr geehrter Herr Vorstand,

hierdurch gestatte ich mir ergebenst zu berichten, daß ich dem mir gewordenen Auftrage gemäß Herrn Rosenbaum von unserem Programm wegen der Mockritzer Schulweihe in Kenntnis gesetzt und um Vorbereitung einer Entlassungsfeier unmittelbar vor der Weihe ersucht habe. Derselbe teilt mir heute mit, daß keine Entlassungsfeier gehalten würde, ferner daß die Kinder gestern in „feierlicher Weise“ entlassen worden wären, ferner daß „während der Feier“ kein Kaitzer Lehrer da sei. Ist das nicht nett? Sieht das nicht aus wie R.? (Rebellion). Schlauerweise teilt er es mir erst mit, nachdem es mir unmöglich geworden, dagegen Widerspruch zu erheben. Nunmehr werden wegen Sammlung der Kinder anderer Ordnungen getroffen werden müssen. Sonst bleibt das dabei, daß um 2 Uhr die Weihe beginnt; ich werde mir erlauben, mich vorher zum Herrn Dammüller zu begeben und dort den Herren anzuschließen. Noch bitte ich, dem Herrn Superintendant Lio. Benz, als dem geistlichen Inspektor des Religionsunterrichtes, eine offizielle Einladung vom Schulvorstand zugehen zu lassen; auch die Handarbeitslehrerin möchte wohl mit Gelegenheit eingeladen werden.

Mit freundlichem Gruß

Leubnitz, 29.III. 93

Ihr

ergebenster

Dr. O. Apfelstedt

Der Erweiterungsbau I

Obwohl am 1. Juli 1902 Räcknitz und Zschertnitz in die Stadt Dresden eingemeindet werden und damit aus dem Schulverband ausscheiden, wird die Schulraumnot immer erdrückender.

Gab es doch damals beispielsweise nur ein Zschertnitzer Kind, das aus der Mockritzer in die Strehlener Schule wechselt.

 

So stehen 1905 für 229 Kinder 3 Zimmer zur Verfügung, je Zimmer also 76 Kinder. 1907 gehen bereits 233 Kinder in die Schule, d. h. 94 Kinder je Zimmer.

Der Erweiterungsbau II

Um die Raumnot zu steuern, stellte man folgende Erwägungen an:

  • die vom Lehrer Schmidt bewohnten Zimmer zu Unterrichtsräumen umzubauen (1.400,-M) aufstocken.
  • Dadurch würden drei Unterrichtsräume gewonnen (21.800,-M)
  • 2 Flügel anbauen. Dadurch erhielte man vier Unterrichtsräume (darunter einen Zeichensaal) und drei Nebenräume (33.800,0-M)
  • einen Schulneubau bei den ehemaligen Eishallen,
  • einzelne Schulräume in andere Gebäude verlegen.

Die Gemeinde entschließt sich, für den Umbau der Lehrerwohnung. Die Bezirksschulinspektion ist allerdings dagegen. Gemeindevorstand Tittmann schreibt daraufhin am 9. August 1907 an 189 Gemeinden Sachsens und fragt, wie man es dort mit den Lehrerwohnungen halte. 1908 wird er dafür vom Kultusministerium gerügt, das alle diesbezüglichen Akten anfordert.

Am 23. April 1908 werden dann von der Königlichen Amtshauptmannschaft die Einrichtung eines 4. „Lehrerzimmers“ und am 27. Mai 1908 die Einrichtung einer Kochlehrküche genehmigt. Der Unterrichtsraum wird durch die Auflösung der Lehrerwohnung gewonnen, wobei die Schule gleichzeitig ein Konferenzzimmer erhält. Die Kochlehrküche entsteht im Keller. Sie ist mit fünf Herden und zwei Gaskochern ausgestattet.

Der Erweiterungsbau II

Trotz dieser Erweiterung ist die Raumnot nicht behoben. So werden beispielsweise 1914 in vier Räumen 339 Kinder unterrichtet (also 85 Schüler je Zimmer). Aber der 1. Weltkrieg gestattet keine Verbesserung der schulischen Verhältnisse. Das Gegenteil ist der Fall. Auf eine Anordnung hin, die sich mit der „Eigentumsübertragung auf den Reichsmilitärfiskus“ befaßt, wird die Blitzschutzanlage am Schulhaus abmontiert und 30 m Kupferdraht sowie das Platin werden in der Zeit vom 1.12.1917 bis 1.3.1918 an die Sammelstelle der Gemeinde Mockritz abgeliefert.

Der Lehrkörper von 1919

Am 1. April 1921 erfolgt die Eingemeindung des Ortes nach Dresden. Die Schule erhält die Bezeichnung „70. Volksschule“.

Schuleinführung um 1923

Der Erweiterungsbau IV

Bald darauf werden zwei Seitenflügel angebaut, die Ostern 1923 eingeweiht werden. Dadurch werden vier Unterrichtsräume und drei Nebenzimmer gewonnen. Hinzu kommen die entsprechenden Kellerräume. Das Schulhaus erhält sein heutiges Aussehen (vgl. Grundriß). Auch der Schulhof wird vergrößert.

 

Der zweite Weltkrieg brachte dem Schulhaus die Umwandlung in eine Kaserne. Es wird durch eine Verordnung vom 31. Januar 1944 die Inanspruchnahme der 70. Volksschule im Stadtteil Mockritz für Wehrmachtszwecke – Flakgruppe Dresden – durch den „Gauleiter als Reichsverteidigungskommissar“ genehmigt. Die Räumung des Gebäudes habe bis spätestens Anfang März zu geschehen. Für die Schulgeräte könnten keinerlei Einstellungsmöglichkeiten bereitgestellt oder vermittelt werden. Lediglich beim Transport werden Mannschaften mit Wehrmachtswagen helfen.

Am 21. und 22. Februar 1944 gelingt es dann, einen Teil des Inventars in der unteren Turnhalle der 19. Volksschule Sedanstraße (heute Hochschulstraße) und in zwei Klassenzimmern der 71. Volksschule Kaitz unterzubringen.

Die Flak richtet im Schulhaus eine Kommandostelle ein und gestaltet das Innere nach ihren Bedürfnissen um. Sie lässt in den Zimmern Zwischenwände einziehen, Löcher in die Fußböden schneiden, das Dach auf dem westlichen Anbau abdecken und darauf einen Beobachtungsturm mit einem Scheinwerfer errichten.

Ebenfalls im Jahre 1944 wird die Hausmeisterwohnung im 2. Stock mit einem Korridor versehen.

Die 70. Grundschule heute

Der Ergänzungsbau

Von 2013 bis 2015 wurde ein großzügiger Ergänzungsneubau mit Schulräumen und Einfeldsporthalle auf das gegenüberliegende Grundstück erbaut.

Nun verfügt die Schule über einen großzügigen und hellen Speisesaal, über weitere Schulräume in gemeinsamer Nutzung mit dem Schulhort, einen strukturierten Schulgarten und über eine neue moderne Außensportanlage. Kleinspielfeld, Laufbahn, Weitsprunganlage und eine Gymnastikwiese dienen vormittags dem Schulsport und erweitern am Nachmittag das Sport- und Bewegungsangebot für die Hortkinder.

Sanierung des Altbaus

Von Februar 2017 bis September 2018 wurde der denkmalgeschützte Altbau der Grundschule gemäß den brandschutztechnischen Bestimmungen umfassend saniert. Durch eine Umgestaltung des Grundrisses wurden die Klassenräume entscheidend vergrößert, der Garderobenbereich im Kellergeschoss sowie das Treppenhaus erweitert und das Dachgeschoss zur Leitungsebene umstrukturiert. 

Am 24. Oktober 2018 fand dann die Einweihung des brandschutzsanierten Altbaus der 70. Grundschule „An der Südhöhe“ im Rahmen der 125-Jahr-Feier sowie die Eröffnung der Schulbibliothek statt.

Bildquellen:

Stadtarchiv,  Architekturbüro Starosta-Dittmar, S. Ehrhardt